Actualité

lundi 27 septembre 2021

Artikel: Musik für mehr Lebensqualität bei Demenz

Was geschieht bei einer Demenz?

Bei einer Demenzerkrankung kommt es zu einer zunehmenden Gedächtnisstörung. Neue Informationen können nicht mehr gut „abgespeichert“ werden. Auch frühere Erinnerungen verschwinden langsam mit fortschreitender Erkrankung. Das Vergessen beginnt mit kürzlich zurückliegenden Ereignissen – z.B. was gestern passiert ist – und geht, nach und nach, bis hin zu Erinnerungen aus früheren Jahren. Die ganz alten Erinnerungen, wie Erlebnisse aus der Jugend und dem jungen Erwachsenenalter verschwinden demnach als letzte.

Forscher haben jedoch herausgefunden, dass die Erinnerung an Musik diesem Vergessen weniger ausgesetzt ist. Demenz scheint tatsächlich das Langzeitgedächtnis für Musik zu verschonen.

Warum ist Musik so wichtig?

Das ganze Leben ist voller Musik. Es gibt für jede Art von Lebenserfahrung, für alle Stimmungen, für jedes Gefühl ein Lied: Liebeslieder, Wanderlieder, Volkslieder, Geburtstagslieder, Klassik, Pop, Chill-out-Musik, … - mal lustig, lebhaft und schwungvoll, mal traurig oder besinnlich. Dabei kann Musik vielfache Emotionen auslösen: sie kann aktivierend und stimulierend oder beruhigend und entspannend wirken.

Wie wirkt Musik auf Menschen mit Demenz?

Musik gilt gemeinhin als der Königsweg, um Menschen mit Demenz zu erreichen. Sie weckt Erinnerungen und ermöglicht das Ausdrücken von Gefühlen, welche wiederum weitere Erinnerungen wecken. Selbst da wo Sprache eingeschränkt ist oder nicht mehr zur Verfügung steht, bietet sie Raum für Begegnung und Kontakt. Musik hilft, eine Atmosphäre von Sicherheit und Geborgenheit zu erzeugen.

Musik stellt für viele Menschen mit Demenz eine Brücke in die eigene Vergangenheit dar, welche emotionale Erinnerungen hervorruft. Musik stärkt die Identität: plötzlich erkennen Betroffene „Das bin ja Ich“, „ich fühle mich“, „ich habe dazu (zu dem Lied, zu der Melodie) einen Bezug“. Dabei können Menschen mit Demenz regelrecht „erwachen“ und schlagartig erkennen „Jetzt bin ich wieder bei mir“. Musik ist also ein Anker der Selbsterhaltung – gegen das Vergessen, das Abgleiten von der Gegenwart in die Vergangenheit. Nur Musik wirkt auf diese Weise.

Teilhaben an der Musik

Gemeinsam musizieren bedeutet für Menschen mit Demenz positive Aktivität und gelingende Kommunikation. Sie fördert ihre Teilhabe, den Austausch mit anderen, die Geselligkeit und den Selbstwert. Singen und musizieren geht oft noch und ruft positive Erinnerungen und Emotionen hervor. Musik hat also auch eine therapeutische Funktion.

Musiktherapie für Menschen mit Demenz

Bei der Musiktherapie konzentrieren sich die Begleiter auf die positiven Wirkungen von Musik und darauf, wie sie auf den jeweiligen Betroffenen wirkt. Denn Musik kann beleben, anregen, aber auch beruhigen und entspannen. Wird die Musik jedoch ohne Kenntniss der Biographie und des Musikgeschmacks des Betroffenen gewählt, kann Musik aber auch verärgern und sogar wütend oder traurig machen. Daher ist es wichtig, den kulturellen und sozialen Hintergrund des Betroffenen zu kennen: seine Lebensgeschichte, seine Vorlieben, seine (musikalische) Erfahrung (z.B. in einem Musikverein, einem Chor).

Diese musikalische Biographiearbeit ist die Form der Musiktherapie, welche bei Menschen mit Demenz die meisten Effekte erzielt. Dabei geht es darum, ähnlich wie bei der 10-Minuten-Aktivierung, Gefühle zu wecken, welche wiederum ein Gespräch anregen.

Eine andere Form der Musiktherapie ist die Atmosphärearbeit, bei der anhand von Hintergrundmusik  eine Atmosphäre positiver Stimmungen kreiert wird. Selbst das „passive“ Zuhören, das Schwelgen in dieser Atmosphäre hat einen wohltuenden Effekt auf Menschen mit Demenz.

Eine weitere Form der Musiktherapie bei Menschen mit Demenz ist die Kompetenzarbeit, wo Menschen mit Demenz zu kurzen Improvisationen angeregt werden, oder aber einfache Rhytmen oder Melodien lernen.

Nachgewiesene Effekte der Musiktherapie bei Menschen mit Demenz sind eine signifikante Reduzierung von Agitiertheit, von Angst und von Depressivität und Depression. Musik trägt so zu mehr Lebensqualität und Wohlbefinden bei.

Unvergesslich und kraftvoll

Musik scheint also für Menschen mit Demenz irgendwie unvergesslich zu sein.

Die Kraft von Musik ist groß, egal ob Musik gemeinsam gehört wird oder ob selbst musiziert wird. Gemeinsames Erleben von Musik hat viele positive Effekte – nicht nur für Menschen mit Demenz.

 

 

„Für Menschen mit Demenz ist Musik kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit und besitzt die Macht, ihr Selbst wiederherzustellen – zumindest eine Zeitlang.“ (Neurologe Oliver Sacks)

 

 

Redaktion: Christine Dahm-Mathonet, Direktionsbeauftragte vom Info-Zenter Demenz